Analog oder Digital?

Hauptsache Unruhr!

Nachdem Unruhr 2020 als eines der ersten Festivals in den digitalen Raum gezogen ist und diesen erfolgreich bespielt, geformt und erkundet hat, geht es dieses Jahr in die zweite Phase:

Hauptsache Unruhr!

Ein Festival ganz für uns, für euch, für dich. Endlich sehen wir uns wieder, verquatschen uns wieder in der Pixelkitchen, spielen gemeinsam Spiele, werfen Nudeln an die Wände und lassen so viel ­Emoji-Konfetti über die Geräte flirren wie wir können – weil wir es können!

Wir sind hier, wir machen Theater, wir gehören zusammen, ein ganzer Pixel-Pott. Sei bereit für feinste Live-Vernissagen, Installationen, Instagram-Happenings, Morgensport und neue Hör-Realitäten.

News

Tag 5: Abschluss!

Ein letztes Mal hat Tamo heute den gemeinsamen Morgensport angeboten und bei Susannes Meditation haben wir die positive Energie mit allen Festivalteilnehmer*innen geteilt!

Bei Pixel+Pasta haben uns Aline Bosselmann aus Essen und Lioba Sombetzki aus Dortmund in ihre Küchen eingeladen. Während die Nudeln gekocht und der fancy Fenchel geschnippelt wurde, plauderten die beiden aus dem Nähkästchen über Liebesbriefe, UnruhR-Mythen und ASMR.

Um 16.00 Uhr startete dann der fulminante Festivalabschluss, der von der Produktionsleiterin Josephine Raschke moderiert wurde: Hauptprogrammpunkt waren natürlich die Ergebnisse der Pixel Pieces! Für die Präsentation von „Telemind“ wechselten wir aus dem großen Zoom-Call kurz zu Telegramm und erfuhren dort, dass einige Zeitreisende aus der Zukunft beim diesjährigen UnruhR zu Gast waren. Die Teilnehmer*innen von „Transitions – kreative Übergänge für Videos“ nahmen uns mit ihren reibungslosen Übergängen kurz mit auf die Malediven. Beim Showing der Gruppe „.gif me something“ sorgten die coolen gifs und die Party-Musik für gute Laune und viel Action im Chat. Die Arbeit von „Das da draußen“ faszinierte anschließend durch die stimmungsvolle Mischung aus Text und Bewegung. Die Teilnehmer*innen von „penpalling – meet me by my written word“ lasen dann aus sehr persönlichen Briefen vor und sorgten für große Rührung. Im Chat waren danach einige Gesuche für Brieffreundschaften zu lesen. (Mehr davon auf Discord.

Nach einer kleinen Pause ging es mit Tanz weiter. Die Gruppe von „Hip-Hop Dance Videoclip“ löste mit ihren coolen Moves eine Partystimmung aus. Danach war dann „Theatermagie“ an der Reihe: Mit ihren Zoomtricks und Spielereien unterhielten sie ihr Publikum ganz hervorragend. Anschließend ging es für alle in einen wohlverdienten Urlaub: Die Gruppe „Wellness – Reise ohne Gepäck“ schickte uns eine digitale Postkarte aus einem pandemie-gerechten, aber nicht weniger erholsamen Wohnungs-Urlaub. Danach hörten wir die ersten Kapitel von „‘Löwenherzen‘ – Ein unruhriges HörStück“, bei dem sogar gelipsynct wurde. Die weiteren Kapitel werden nach dem Festival entstehen. Als letztes trat der Pixel-Chor auf, der uns mit seiner Version von „Why so serious?“ einen schönen Abschluss bot.

Josephine interviewte dann die Gruppe UnruhRgebiet, die aus dem letztjährigen Festival hervorgegangen war und das Diesjährige maßgeblich mitgestaltet hatte. Vom Duo Lea Sehlke und Knut Kolckmann, die 2021 u.a. als Sprecher*innen für die Gruppe fungiert hatten, bleibt im kommenden Jahr nur Lea dabei und wird von Katharina unterstützt werden. Wer auch dabei sein möchte, ist herzlich willkommen und kann sich gerne bei den beiden melden.

Mithilfe eines Livepads wurden dann die schönsten Erinnerungen an das Festival festgehalten und anschließend in Breakout-Sessions die besten Ideen und Wünsche für das kommende Festival geäußert. Und trotz der Hoffnung, dass wir uns 2022 mal leibhaftig sehen können, ist auch klar, dass das Analoge und das Digitale nicht mehr zu trennen sind. Einige der digitalen Formate müssen auch in der Zukunft fortgeführt werden, weil sie sich als unverzichtbar herausgestellt haben.

Es blieb dann nur noch zu danken: Den Teilnehmer*innen, der Produktionsleiterin, den Theaterpädagog*innen, den Workshopleiter*innen, dem Digital Team, den Häusern und den Förderer*innen. UnruhR 2021 war ein außergewöhnliches und außergewöhnlich schönes Festival und jede*r einzelne hat zum Gelingen beigetragen. Vielen Dank!

Der Ausklang des Festivals fand dann selbstverständlich auf Discord statt: In mehreren Räumen mit unterschiedlichen Musikstilen wurde getanzt, geredet und sich gefreut, wie schön es war.

Hashtags des Tages:
#imwarteraumeingeschlafen #fancyfenchelistderneueshit #mögenallewesenglücklichsein #abschiedsschmerz2021 #vorfreude2022 #byeinge #whysoserious

Tag 4!

Ihr wisst natürlich schon, wie der heutige Samstag anfing: Mit Morgensport bei Tamo und Meditation bei Susanne natürlich!

Nachdem die Stücke gestern sehr emotional waren, erfahren wir im Podcast, dass es in den heutigen Arbeiten wohl rätselhaft werden wir: Die Gruppe Mashup X aus Oberhausen befragt die Figuren aus Kafkas Roman „Der Prozeß“, während die Paradiesvögel uns fragen, was ein Känguru wohl in einem Café zu suchen haben könnte. Die Gruppe UnruhRgebiet sprach über ihre Instagram-Inszenierung auf ihrem Profil „zentrale.voll_laestig“, die schon am 1. April begann und noch immer läuft. Heute Abend wird das UnruhRgebiet uns dann mit „Insomnia“ wach halten. Wir bereiten uns also schon mal auf eine schlaflose, aber kunstgefüllte Nacht vor…

Wer vom gestrigen Film „Zwischen den Welten“ nicht genug bekommen kann, kann sich eine Audio-Variante der einzelnen Kapitel seit heute anhören. Die Jugendlichen haben ihre Rollen nochmal ausgearbeitet und als Hörbuch, Podcast, Klangcollagen oder Hörstück in eine neue Form gebracht. Um sie zu hören müsst ihr in Bochum in der Gegend des Theaterreviers die Augen nach Gegenständen aus den Filmen aufhalten. Ihr könnt mit der App Actionbound die angebrachten QR-Codes scannen und gleich reinhören.

Pixel+Pasta wird nun endlich seinem Namen gerecht: Lea Sehlke und Knut Kolckmann vom UnruhRgebiet und Florian Goetz vom Theater Duisburg kochen Nudeln, die dann als Pizzabelag dienen. Während wir bei Florian oft die Zimmerdecke oder ein Gesichts-Close-Up sehen, laufen bei Knut und Lea ab und zu ein paar Stargäste durchs Bild. Zwischendurch wird es ganz poetisch: In einer Ballade wird von der tragischen Geschichte zwischen einer Spagetti und einer Fusilli erzählt.

Aus den Workshops haben wir heute viel Schönes gehört: Im Extra-Pixel „penpalling – meet me by my written word” von Aline Bosselmann und Rebecca Bednarzyka wurden bewegende Gespräche über das Briefe schreiben, das Schreibmaterial und wem man etwas schreiben möchte geführt. (An jemanden, in den man verliebt ist? An sich selbst in der Zukunft?) Die in Einzelarbeit geschriebenen Briefe wurden dann heute von Aline und Rebecca an die Empfänger*innen übergeben.

Chris Luvualu Ndofusu leitet den „Hip-Hop Dance Videoclip“-Workshop und erzählt, dass gleich beim Warm Up schon die Basic des Hip-Hop miteinbezogen wurden. Das Spiel „Ich packe meinen Koffer und nehme mit…“ haben sie dann abgewandelt und sehr viele Bewegungen in ihre Koffer gepackt. Chris freut sich, dass die Teilnehmer*innen langsam aus sich herausgekommen sind und die Videos, die wir morgen von ihrer Arbeit sehen können, jetzt nur noch ganz fix geschnitten werden müssen.

Die Teilnehmer*innen bei Sarah Kranenpoots „‘Löwenherzen‘ – Ein unruhriges HörStück“-Workshop sind in den letzten Tag schon fast zu Bandlab-Profis geworden, nachdem es am Anfang noch recht holprig gewesen war. Bei der heutigen Sitzung wurden dann die Textpassagen eingesprochen, die sie für die morgige Präsentation brauchen: Mit stumm gestellten Zoom-Mikros und gezückten Handy-Mikros wurde wütend, leidenschaftlich oder traurig die jeweilige Textstelle eingelesen.

Um 18.00 geht es dann mit dem nächsten Projekt weiter: Bei „Paradise Now – Welcome to Paradise“ nehmen uns die Dortmunder Paradiesvögel mit in ihre phantasievolle Welt: Ein Känguru und ein paar andere, leicht schräge Gestalten besuchen ein Café, das wohl traumhaft leckere Blaubeer-Muffins serviert. (Vielleicht sollten wir Tante Rüdiger auch mal einen Besuch abstatten…). Wir sehen die performative Rauminstallation auf Vimeo und denken darüber nach, was wir wohl in so einem paradiesischen Café tun würden.

Nächster Programmpunkt ist „Ein Prozess – Making Of“ von mashup X vom Theater Oberhausen. Der Film zeigt den bisherigen Probenprozess der Gruppe: Momente aus den vielen Zoom-Calls, die Materialrecherche und Szenenentwürfe. Daraus soll dann ein Online-Escape-Room werden, der am 26.06.2021 auf Discord Premiere feiern wird. Und von dieser Variante bekommen wir auch gleich einen Vorgeschmack: Im Schreib- und Sprach-Chat diskutieren die Charaktere aus Franz Kafkas Roman, wer Josef K. getötet haben könnte. Wie schon bei „Boredland“ erweist sich das Publikum als äußert interaktionsfreudig und lässt sich nicht davon abhalten gleich eine Revolution anzuzetteln.

Ein Prozess – Making Of

Der anschließende Film „Paradise – Better never than now” von der FSJKlerin Friederike Krah aus Dortmund beschäftigt sich dann erstmal mit einem etwas entspannterem Thema: Das Paradies! Friederike beleuchtet den Begriff jedoch kritisch und fragt mit schönen Bildern und nachdenklichen Texten, wie und ob ein Paradies überhaupt möglich wäre.

Paradise – Better never than now

Beim Zoom-In leitet Laura Zielinski mal wieder ein angeregtes Gespräch an, bei dem wir zur Abwechslung auch mal gesungen haben, wie schön! Dadurch, dass sich heute zwei Arbeiten mit dem Paradies auseinandersetzten, ging es in einem der Breakout-Rooms auch mal darum, was für uns eigentlich gerade das Paradies wäre: Der Hund auf dem Schoß, die Hängematte im Garten, eine gute Zugverbindung, oder auch einfach nur Schlaf.

Das heutige Pixel-Konzert war zur Abwechslung eher ein interaktiver Musik-Podcast. Lena Stoehrfaktor brachte Spoken-Word-Texte/Songs mit und sprach mit Aline Bosselmann und den anderen Zuhörer*innen über die Hip-Hop-Szene, die Geschichten ihrer Lyrics und vieles mehr. Für die Stücke Ecke hatte Sarah Dea Lohers „Bär im Universum“ mitgebracht, das von einem Bären, Hoffnung und Freundschaft handelt.

Die angekündigte Performance „Insomnia“ ist gerade noch auf Instagram in vollem Gange. Was es von da zu berichten gibt, erfahrt ihr dann morgen. Bis dahin erstmal gute Nacht!

Hashtags des Tages
#ingeistda #NIEDERMITGRUBI #progressequalshappiness #onlygoodnews

Tag 3: Halbzeit!

Laut Wetterberichts-Pixel ist der Himmel in Essen und Duisburg grau, während es in Köln sonnig ist. Wie schon gestern kann man bei Tamos Morgensport zunächst den Körper aufwärmen und danach den Geist bei Susannes Meditation.

Im heutigen Podcast stellen sich die drei Banden vom Schauspielhaus Bochum und der Jugendclub des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel vor. Sie berichten von den Hürden, die sie bei der Erarbeitung überwinden mussten: Pandemie, instabiles Internet und die Gema. Trotzdem haben sie es geschafft einen Audiowalk, zwei Filme und eine Schreibperformance auf die digitale Bühne zu bringen, die wir heute abend genießen werden.

Seit heute ist auch der Audio-Workshop der Positronen auf der UnruhR-Homepage abrufbar: In „reality unmuted – never stop listening“ schlagen die Jugendlichen vor, die eigene Perspektive zu hinterfragen und zu erweitern. Welche Privilegien genieße ich Tag für Tag ohne sie zu bemerken? Welches Wissen lerne ich in der Schule und welches nicht? Auf feinfühlige Weise wird man zum Weiterdenken und Bewusstwerden angeregt. Hört rein!

Bei Pixel+Pasta stehen (und tanzen) heute Tamo Gvenetadze und Josephine Raschke am Herd. Es gibt eine Brokkoli-Suppe mit einer Beilage aus Falafel, Stepptanz, Handstand und merkwürdigen und bemerkenswerten Festival- und Theatergeschichten. Das war sehr lecker und kurzweilig!

Nachmittags ging es wieder in die Workshops! Marlene Helling berichtet uns aus dem „Das da draußen“-Workshop von einer ausgiebigen Tanzimprovisation, von Recherche bei bisherigen Inszenierungsbeispielen und dem automatischem Schreiben. Ganz geflasht war sie von den poetischen und klugen Texten der Teilnehmer*innen, die dann in der Präsentation am Sonntag benutzt werden. Aus seinem und Linda Thallers Workshop „Telemind“ erzählt uns Hans Peters von den gestrigen Schreibübungen: Die Teilnehmer*innen probierten aus, wie man über das Schreiben im Chat eigene Figuren verkörpern könnte. Heute wurde dann mit den technischen Features, wie den Umfragen, dem Profilbild o.ä. herumexperimentiert.

Nach einer kleinen Verschnaufpause verlassen wir dann unsere Schreibtisch- oder Küchenstühle und schnappen frische Luft. Die Gruppe „THEM“ vom Schauspielhaus Bochum schickt uns mit ihrem Audiowalk per Telegramm auf einen Spaziergang durch unsere Umgebung. Mit Texten von Rainald Goetz, Musik von Nina Hagen und den Beatles und Bildcollagen aus ihrem eigenen Fundus, sorgen die Jugendlichen mit ihren schönen Stimmen für einen Perspektivwechsel. Auch beim nächsten Spaziergang dürften wir dank THEM die Welt um uns herum wohl mit anderen Augen betrachten.

Daran schließt sich die zweite Bochumer Gruppe „US“ an, die eine dreiteilige Kurzfilmreihe gedreht hat, die wir nun über Vimeo schauen können. Dass die Gruppe ihre ursprüngliche Idee mit Texten von Sarah Kane zu arbeiten aufgrund der Gema verwerfen musste, erweist sich eher als glücklicher Zufall: Die von den Jugendlichen geschriebenen und gesprochenen Texte bilden mit den tänzerisch-choreographischen Bildern eine harmonisch-emotionale Erzählung, die der Schwere der Themen gerecht wurde. Hier dürfte die eine oder andere Träne geflossen sein.

Dann geht es zurück auf Telegramm: Der Jugendclub des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel hat die Schreibperformance „Boredland“ erarbeitet, die etwas anders lief als geplant. Nachdem schon gestern durch kurze, repetitive Audioclips auf das Thema Langeweile vorbereitet wurde, zeigten uns die Jugendlichen die vielen öden Wiederholungen, die das Leben in der Pandemie seit schon viel zu langer Zeit ausmachen. Als der interaktive Part startete, explodierte der Chat nahezu: Den vielen Nachrichten, Emojis und Gifs war kaum hinterherzukommen und z.T. war nicht mehr klar, wer denn zu den eigentlichen Performer*innen gehörte. Die Jugendlichen organisierten sich dann im Backstage-Zoom spontan neu und reagierten souverän auf die vielen Beiträge. Zum Schluss war dann zum Glück absolut niemandem mehr langweilig!

Letztes Projekt des Tages war dann die filmische Monolog-Landschaft „Zwischen den Welten“ von der Gruppe #ZwischenWelten aus Bochum. Die elf Kurzfilme erzählen poetische, wichtige, verträumte, traurige, verzauberte, lustige, aufwühlende Geschichten, die durch die gemeinsame Ästhetik doch zusammengehören. Die elf Spieler*innen überzeugen durch ihr authentisches Spiel und laden uns in ihre Welten ein – vielen Dank!

Mit leichter Verspätung fingen dann die Zoom-In Nachgespräche an. Bei der Eingangsumfrage, wie es uns allen so geht, waren „Achterbahn“ und „emotional“ die vorherrschenden Antworten: Die Unterschiede in den Emotionalitäten der gesehenen Projekte und die große Schwere mancher Themen war aufwühlend und auch ein bisschen erschöpfend. Die Gespräche verliefen manchmal etwas gedankenverloren, so dass die eine oder andere nachdenkliche Sprechpause entstand.

Der Ausklang des Abends fand dann wieder auf Discord statt: In Sarahs Stücke Ecke wurde heute Esther Beckers „Das Leben ist ein Wunschkonzert“ gelesen und im Konzert-Pixel trat YENGA auf. Die Band besteht aus Stella Klaus und Niko Dolle und ihre Mischung aus Art Rock und Psychedelic ist sehr gut, um noch den Gedanken nachzuhängen, die der heutige Tag so in Gang gesetzt hat.

Ein weiteres Mal gute Nacht!

Hashtags des Tages:
#zwiebelgate #crINGE #gotttrinktfiege #einhornrechte #hasemitdreizehngeradenstrichen

Tag 2!

Der UnruhR-Donnerstag beginnt schon etwas früher: Tamo Gvenetadze bringt alle Interessierten schon um 9.30 mit einem Barre-Workout ins Schwitzen. Josefine Habermehl fällt im heutigen unruhrigen Podcast dann auf, dass die drei Gruppen vom Schauspiel Essen und vom Schauspiel Duisburg einen persönlichen Zugang in ihren Arbeiten suchen – was gar nicht mal so leicht ist. Zur Entspannung und Vorbereitung leitet Susanne Scheffler dann anschließend die erste Meditation des Festivals an. Übers ganze Ruhrgebiet verteilt sitzen also ein paar Menschen zusammen und konzentrieren sich ganz gelassen auf das Hier und Jetzt.

Mittags kommen wir dann per Instagram zusammen: Sarah Jasinszczak und Bernhard Deutsch sind heute die Köch*innen bei Pixel+Pasta und kochen in ihren wirklich schrecklich schmutzigen Küchen. Das indonesische Gericht Gado Gado gelingt den beiden so gut, dass am Ende sogar das Tanzbein geschwungen wird.

Wenn wir schon mal auf Instagram sind, scrollen wir gleich weiter zum Profil von zentrale.voll_laestig: Die interaktive Instagram-Inszenierung der Gruppe UnruhRgebiet erzählt mit Posts, Stories und Captions die Geschichte einiger Bochumer Jugendlicher, die auch noch über den Main-Account heraus reicht. Da nochmal reinzuschauen, lohnt sich auf jeden Fall!

Um 13.00 verschwinden die Teilnehmer*innen in ihren Workshops: Beim Pixel-Chor wurde gegroovt, getanzt, getobt, improvisiert, sich locker gemacht und natürlich auch gesungen. Die App Band-Lab macht chorisches Singen zum Glück möglich! Was in den anderen Workshops passierte, werden wir in den kommenden Tagen erfahren.

Pünktlich um 17.00 beginnt dann erste Stück des Tages: „reality check“ ist ein digitales Wahrnehmungsspiel von den Positronen des Schauspiels Essen. Sie erzählen davon, wie es in ihrer Welt sein könnte (oder sollte?) und reflektieren feinfühlig über sich und die Zukunft. Trotz Zoom schaffen es die Jugendlichen durch ihre sehr persönlichen Themen eine berührende Atmosphäre herzustellen, die die eine oder andere Träne auslöst. Den Positronen kann man zum Mut so viel Verletzlichkeit zu zeigen nur gratulieren.

Nach einer kleinen Pause geht es dann weiter mit „Bau.Steine.Scherben“ vom Jugendclub „Spieltrieb“ aus Duisburg: Das Youtube-Video besteht aus acht Fenstern, durch die man in die Lebenswelten acht sehr unterschiedlicher Charakteren schauen kann. Immer wieder nähern die Figuren sich an, um doch wieder in heftige Konflikte zu geraten: Das hochemotionale Spiel hat das Publikum beeindruckt: V.a. mit dem Wissen, dass das Video in einem Take aufgenommen wurde, dass die Jugendlichen also 40 Minuten am Stück vor Zoom performt haben!

Im Nachgespräch herrscht dann erneut gute Stimmung: Die Teilnehmer*innen tauschen sich rege aus und loben sich gegenseitig für ihre tollen Arbeiten!

Bei „Kontaktversuchungen meets Kunstaustausch“ vom Schauspiel Duisburg waren zwar zunächst wieder alle zusammen in einem Zoom-Raum, nacheinander bekam jedoch jede*r mal die Chance auf eine 1-zu-1-Begegnung mit einer Künstlerin oder einem Künstler. Nach deren kurzer Performance war man dann auch selbst an der Reihe, etwas darzubieten.  (So wurde z.B. einmal das gefühlvolle Vorsingen eines Songs gegen die abenteuerliche Erzählung über ein musikalisch begabtes Kuscheltier getauscht.) Im Hauptraum tauschte das Publikum unterdessen eigene Geschichten aus, z.B. darüber, auf welchen ungewöhnlichen Wegen die Teilnehmer*innen schon neue Freundschaften geschlossen haben. (Es scheint eine gute Idee zu sein, Flachwitze zu erzählen, wenn man sich gerade von einer Narkose erholt, wer hätte das gedacht!)

Beim abendlichen Ausklang auf Discord hatte man zwei sehr friedliche Alternativen: Im Pixel-Konzert luden heute Athina Kontou und Conni Trieder mit Musik und Gedichten zum Entspannen ein. In Sarah Kranenpoots Stücke Ecke wurde gemeinsam das Stück „Time out“ von Christina Kettering vorgelesen. Dass man in digitalen Räumen manchmal dazu neigt anderen ins Wort zu fallen, erwies sich hier als glücklicher Zufall, da einige stimmungsvolle, chorische Momente entstanden.

Fun Fact: Noch während dieser Text gegen 1.30 Uhr zu Ende geschrieben wird, sind im Stücke-Ecke-Pixel noch elf Teilnehmer*innen zusammen online! Diesen und allen anderen wünschen wir jetzt erstmal eine gute Nacht!

Hashtags des Tages:
#woistinge #süßigkeiten #wurstkapitalist

Tag 1: Hurra! Jippie! Heureka!

Das UnruhR-Festival hat nach monatelanger Vorbereitung endlich begonnen! Nachdem am Vormittag schon der unruhrige Podcast Lust auf das Abendprogramm machte, trudelten am Nachmittag immer mehr Teilnehmer*innen des Festivals auf dem Server ein und schauten sich um: Nach und nach wurden die zahlreichen Räume freigeschaltet, in denen die Eröffnungsreden gehalten wurden.

Julia Wissert und Andreas Gruhn vom Schauspiel Dortmund begrüßen die Teilnehmer*innen in ihrem Youtube-Video und wünschen allen ganz fantastische Erfahrungen im Digitalen! (Mit der Hoffnung sich irgendwann auch im tatsächlichen Theaterfoyer begegnen zu können.) Gastgeber des diesjährigen Festivals ist das Theater Dortmund, in dessen Namen uns anschließend auch Sarah Jasinszscak, Lioba Sombetzki und Linda Thaller begrüßen. Bernhard Deutsch vom Theater an der Ruhr erinnert dann an die Anfänge des UnruhR Festivals, das es schon seit 2002 gibt! Nikola Schellmann vom Kinder- und Jugendtheaterzentrum erzählt in ihrer Rede von der Vernetzung von Theatern und Theatermenschen und berichtet davon wie schwierig das manchmal sein kann: Die UnruhR-Theatermenschen beschäftigen sich damit jedoch nicht lange theoretisch sondern machen es einfach – was sie sehr bewundert. Mit allen denkbaren Masken und Filtern ausgestattet sieht  Produktionsleiterin Josephine Raschke es ebenso positiv: Wir alle haben gelernt gut digital (zusammen) zu arbeiten. 

Anschließend spricht sie dann mit Lea Sehlke und Knut Kolckmann von der Gruppe UnruhRgebiet. Die beiden erzählen uns, wie man sich für ein digitales Festival am besten vorbereitet: Man braucht Snacks und sollte auch Pausen vom Bildschirm einplanen. Am besten schaut man auch vorher mal ins Programm und entscheidet, woran man teilnehmen möchte. Es lohnt sich auf jeden Fall die vielen Arten zum Connecten auszuprobieren: Bei Gathertown, den Zoom-Ins und der Discord-WG-Küche ist für jede*n was dabei. Für ein anfassbares Gemeinschaftsgefühl sorgen auch die Festivalbeutel, deren Waldmeister-Durstlöscher ein grüner Farbtupfer sind und den ein oder anderen Zuckerschock auslösen. Hilfe bei Problemen jeglicher Art gibt es auch im Festivalbüro bei Discord.

Um mal ins persönliche Gespräch zu kommen, folgt eine Runde Speeddating: Von ein oder zwei Personen erfährt man, wie sie sich auf das Festival vorbereitet haben, was sie so richtig zum Lachen bringt und was sie im letzten Jahr gelernt haben. Anschließend folgen Vorstellungsrunden: Das Digital Team und die Theaterpädagog*innen stellen sich selbst und die vielen Punkte des Rahmenprogramms vor. Zum Schluss erzählen noch die Workshopleiter*innen worum es in ihren Pixel Pieces in den kommenden Tagen gehen wird.

Um 19.00 startete dann im Zoom-Raum das erste Stück! „Idomeneus“ wurde vom KJT-Jugendclub aus Dortmund erarbeitet und ist eine interaktive Installation. Mit dem Zoom-Raum wandern wir zunächst durch die Ausstellungsräume im Dortmunder U, um assoziativ die Geschichte von Idomeneus zu erfahren. Danach wird es interaktiver: Mit Umfragen, Breakout-Sessions und einem Livepad werden verschiedenste Mittel benutzt um sich mit Fragen zu Erinnerungen, Emotionen, Geburt und Opfer zu beschäftigen. Trotz der kurzen Zeit ergab sich so eine beeindruckende Vielzahl an erzeugten Stimmungen.

 Anschließend ging es dann rüber zu YouTube: Bei „Das (neue) Drama!“ vom Labor I des Theaters an der Ruhr treffen sich unterschiedliche Figuren der Dramengeschichte. Julia ist neuerdings mit Ferdinand statt Romeo unterwegs und das sonst so schläfrige Dornröschen schwang sich Estragon (aus „Warten auf Godot“) gegenüber dann zur Motivatorin auf. Das Aufeinandertreffen der sich so fremden Figuren war spannend zu beobachten: Pandemiebedingt musste die Arbeit leider mit einem Cliffhanger enden. Laut dem Discord-Chat können sich die Jugendlichen vom Labor I aber sicher sein eine Menge interessiertes Publikum für die Fortsetzung zu haben.

Laura Zielinski moderierte dann das lebhafte Nachgespräch: Die Jugendlichen berichteten von den pandemiebedingten Herausforderungen der Probenarbeit und gaben sich gegenseitig Feedback. (Manchen konnte dann auch endlich erklärt werden, was es denn mit diesem ‚Woodstock‘ auf sich hat.) Die Stimmung war so gut, dass das Gespräch noch länger ging als geplant.

Nach ein paar Tonschwierigkeiten klang der erste Abend gemütlich mit einem Konzert von Finck von Finckenstein im Festivalzentrum aus. Alles in allem kann man nur von einem sehr gut gelungenem ersten Festivaltag sprechen – auf dass die kommenden Tage mindestens genau so fantastisch sein werden!

Hashtags des Tages:
#weristinge #sarahisoverparty2021 #grillparadoxon

Idomeneus
Ein (neues) Drama
Hallo und guten Tag!

Morgen schon beginnt nun schließlich und endlich das UnruhR Festival 2021! Auch dieses Jahr treffen wir uns digital bei Zoom, Discord, Instagram, Telegram und mehr! Die letzten Generalproben finden gerade noch statt und die Festivalbeutel werden zu ihren Besitzer*innen gebracht, damit bei den Premieren ab morgen alle gut versorgt und vorbereitet sind.

Die Teilnehmer*innen der Jugendclubs trafen sich schon am 2. Mai für ein erstes Kennenlernen. Innerhalb eines großen Zoom-Calls und einiger kleiner Breakout-Sessions wurden die Hoffnungen und Ziele für ein gelungenes Festival ausgetauscht. Es lag vor allem der Wunsch nach einer richtigen Festivalstimmung in der Luft: Das heißt, viele neue Leute kennenzulernen, auf Discord, Instagram oder Zoom die Produktionen der anderen Clubs erleben und dabei mindestens so viel Spaß zu haben wie im letzten Jahr. (Und vielleicht sogar das ein oder andere Mal abends länger aufbleiben, als man das sonst so darf…)

Am 9. Mai führte die Gruppe UnruhRgebiet dann alle Interessierten in die Bedienung des Discord-Servers ein: In diesem digitalen Festivalzentrum kann man sowohl miteinander schreiben als auch sprechen und Bots spielen auf Wunsch Musik. Überhaupt wird der Discord-Server der Ort für ausschweifende Premierenpartys und für  gemeinsames Abhängen und Kennenlernen am Abend sein.

In diesem Sinne wünschen wir euch allen eine erholsame letzte Nacht vor dem Festival, damit wir alle viel Kraft für die spannenden kommenden Festival-Tage sammeln!