Tag 3: Halbzeit!

Laut Wetterberichts-Pixel ist der Himmel in Essen und Duisburg grau, während es in Köln sonnig ist. Wie schon gestern kann man bei Tamos Morgensport zunächst den Körper aufwärmen und danach den Geist bei Susannes Meditation.

Im heutigen Podcast stellen sich die drei Banden vom Schauspielhaus Bochum und der Jugendclub des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel vor. Sie berichten von den Hürden, die sie bei der Erarbeitung überwinden mussten: Pandemie, instabiles Internet und die Gema. Trotzdem haben sie es geschafft einen Audiowalk, zwei Filme und eine Schreibperformance auf die digitale Bühne zu bringen, die wir heute abend genießen werden.

Seit heute ist auch der Audio-Workshop der Positronen auf der UnruhR-Homepage abrufbar: In „reality unmuted – never stop listening“ schlagen die Jugendlichen vor, die eigene Perspektive zu hinterfragen und zu erweitern. Welche Privilegien genieße ich Tag für Tag ohne sie zu bemerken? Welches Wissen lerne ich in der Schule und welches nicht? Auf feinfühlige Weise wird man zum Weiterdenken und Bewusstwerden angeregt. Hört rein!

Bei Pixel+Pasta stehen (und tanzen) heute Tamo Gvenetadze und Josephine Raschke am Herd. Es gibt eine Brokkoli-Suppe mit einer Beilage aus Falafel, Stepptanz, Handstand und merkwürdigen und bemerkenswerten Festival- und Theatergeschichten. Das war sehr lecker und kurzweilig!

Nachmittags ging es wieder in die Workshops! Marlene Helling berichtet uns aus dem „Das da draußen“-Workshop von einer ausgiebigen Tanzimprovisation, von Recherche bei bisherigen Inszenierungsbeispielen und dem automatischem Schreiben. Ganz geflasht war sie von den poetischen und klugen Texten der Teilnehmer*innen, die dann in der Präsentation am Sonntag benutzt werden. Aus seinem und Linda Thallers Workshop „Telemind“ erzählt uns Hans Peters von den gestrigen Schreibübungen: Die Teilnehmer*innen probierten aus, wie man über das Schreiben im Chat eigene Figuren verkörpern könnte. Heute wurde dann mit den technischen Features, wie den Umfragen, dem Profilbild o.ä. herumexperimentiert.

Nach einer kleinen Verschnaufpause verlassen wir dann unsere Schreibtisch- oder Küchenstühle und schnappen frische Luft. Die Gruppe „THEM“ vom Schauspielhaus Bochum schickt uns mit ihrem Audiowalk per Telegramm auf einen Spaziergang durch unsere Umgebung. Mit Texten von Rainald Goetz, Musik von Nina Hagen und den Beatles und Bildcollagen aus ihrem eigenen Fundus, sorgen die Jugendlichen mit ihren schönen Stimmen für einen Perspektivwechsel. Auch beim nächsten Spaziergang dürften wir dank THEM die Welt um uns herum wohl mit anderen Augen betrachten.

Daran schließt sich die zweite Bochumer Gruppe „US“ an, die eine dreiteilige Kurzfilmreihe gedreht hat, die wir nun über Vimeo schauen können. Dass die Gruppe ihre ursprüngliche Idee mit Texten von Sarah Kane zu arbeiten aufgrund der Gema verwerfen musste, erweist sich eher als glücklicher Zufall: Die von den Jugendlichen geschriebenen und gesprochenen Texte bilden mit den tänzerisch-choreographischen Bildern eine harmonisch-emotionale Erzählung, die der Schwere der Themen gerecht wurde. Hier dürfte die eine oder andere Träne geflossen sein.

Dann geht es zurück auf Telegramm: Der Jugendclub des Westfälischen Landestheaters Castrop-Rauxel hat die Schreibperformance „Boredland“ erarbeitet, die etwas anders lief als geplant. Nachdem schon gestern durch kurze, repetitive Audioclips auf das Thema Langeweile vorbereitet wurde, zeigten uns die Jugendlichen die vielen öden Wiederholungen, die das Leben in der Pandemie seit schon viel zu langer Zeit ausmachen. Als der interaktive Part startete, explodierte der Chat nahezu: Den vielen Nachrichten, Emojis und Gifs war kaum hinterherzukommen und z.T. war nicht mehr klar, wer denn zu den eigentlichen Performer*innen gehörte. Die Jugendlichen organisierten sich dann im Backstage-Zoom spontan neu und reagierten souverän auf die vielen Beiträge. Zum Schluss war dann zum Glück absolut niemandem mehr langweilig!

Letztes Projekt des Tages war dann die filmische Monolog-Landschaft „Zwischen den Welten“ von der Gruppe #ZwischenWelten aus Bochum. Die elf Kurzfilme erzählen poetische, wichtige, verträumte, traurige, verzauberte, lustige, aufwühlende Geschichten, die durch die gemeinsame Ästhetik doch zusammengehören. Die elf Spieler*innen überzeugen durch ihr authentisches Spiel und laden uns in ihre Welten ein – vielen Dank!

Mit leichter Verspätung fingen dann die Zoom-In Nachgespräche an. Bei der Eingangsumfrage, wie es uns allen so geht, waren „Achterbahn“ und „emotional“ die vorherrschenden Antworten: Die Unterschiede in den Emotionalitäten der gesehenen Projekte und die große Schwere mancher Themen war aufwühlend und auch ein bisschen erschöpfend. Die Gespräche verliefen manchmal etwas gedankenverloren, so dass die eine oder andere nachdenkliche Sprechpause entstand.

Der Ausklang des Abends fand dann wieder auf Discord statt: In Sarahs Stücke Ecke wurde heute Esther Beckers „Das Leben ist ein Wunschkonzert“ gelesen und im Konzert-Pixel trat YENGA auf. Die Band besteht aus Stella Klaus und Niko Dolle und ihre Mischung aus Art Rock und Psychedelic ist sehr gut, um noch den Gedanken nachzuhängen, die der heutige Tag so in Gang gesetzt hat.

Ein weiteres Mal gute Nacht!

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