Nachwort auf Freitag

Guten Morgen,

der dritte Festivaltag begann wieder körperlich aktiv mit dem Clowns-Workshop und Workshop Bewegung und Tanz nach der Gaga-Methode, in dem die Linien von Gegenständen aus dem eigenen Zimmer mit dem Körper nachgezeichnet wurden. Mittags kam der Workshop Szenisches Schreiben dazu und es bestand den gesamten Tag noch die Chance, selbst geschriebene Texte für die heutige Lesung einzuschicken. Danke für eure Beiträge, ihr könnt euch schon auf die heutige Lesung freuen! Gestern Nachmittag trafen sich skurrile Persönlichkeiten zu einer Interview-Session im Rahmen des Schauspiel – Workshops. Auf Grundlage von Einkaufszetteln entwickelten sich in den letzten drei Tagen virtuose Rollenbiografien. Auf Telegram wurde es auch wieder unruhig und es bleibt spannend, ob Mia Giulio wiedersehen wird. In den Beiträgen aus Bochum, Oberhausen und Duisburg ging es um Identität, Frausein in der Gesellschaft, Zusammenhalt und dem kreativen Umgang mit der aktuellen Corona-Krise.

#bettertogether, die Bande des Schauspielhauses Bochum, zeigte mit Käse ist besser als Corona die drei letzten Folgen ihrer Webserie, wo wunderliche Verwandlungen von Mitbewohner*innen für Verwirrung sorgten und wir wurden in die ursprünglich geplante Bühnen-Version eingeweiht. Es wurde auch wieder live zusammen gekocht und die Auerh@us WG und #bettertogether tauschten sich, begleitet von regen Publikumskommentaren und bunten Herzfontänen, über Leckereien aus. Medea mashup, ein Projekt der Theater:faktorei des Theater Oberhausen, setzte die klassischen Textauszüge des antiken Stücks in einen feministischen Rahmen und kritisierte gesellschaftliche Perspektiven auf Weiblichkeit. Das junge Ensemble des Spieltrieb Duisburg erzählte unter Beteiligung des Publikum ihre Geschichte über eine verschwundene Person. Ein livestream- Krimi, bei dem das nähere Umfeld der vermissten Person ganz schön auf den Kopf gestellt, und die Beziehungen zueinander auf den Prüfstein gestellt wurde. Im dritten Nachgespräch wurde es zu später Stunde noch sehr dynamisch: Es wurden Posen zu dem Gesehenen gefunden und Fragen in intimeren 2er Gruppen in Breakout Rooms besprochen: Welches Klischee über Mädchen/Frauen stört dich am meisten? Was wusstest du über Medea? Fühlst du dich frei, so zu sein, wie du bist? Wohin reist du in deiner Fantasie? Welche Rolle spielt Kreativität in solchen Zeiten wie jetzt? Wie hast du die ersten Wochen nach dem Lockdown erlebt? Welche Figur hast du am intensivsten verfolgt? Habt Ihr Euch als Zuschauer*innen in diesem Format beteiligt und gemeint gefühlt? Was ist der Reiz im Internet live zu sein?

„Spannung im Theater wird durch Gefühle, Blicke, Stille, Tiefe im Raum und Distanz erzeugt.“

„Im Digitalen Raum laufen super viele Ebenen parallel: Chat untereinander, Chat und Text, Aktion und Chat und die Frage ist, was ist live – alles oder nur ein Teil?“ 

Das Experiment des digitalen Festivals lässt uns das analoge Theater nicht vergessen. Es lässt uns weitersuchen und ausprobieren. Derweil werden in der WG Küche bei Discord Freundschaften geknüpft und neue Projektideen geboren. Fast so wie bei einem echten Festival. Eben auch nur, wenn das W-Lan mitspielt und die Augen noch können. Wir sind gespannt auf unseren finalen Tag und sind froh, dass wir noch so viele Programmpunkte vor uns haben, aber auch schon etwas melancholisch, weil wir euch jetzt schon vermissen.